Buchtipp: Winterkartoffelknödel von Rita Falk » Blattsinn.com

Buchtipp: Winterkartoffelknödel von Rita Falk

Vier Morde in der Provinz: Das ist auch für einen erfahrenen Dorfgendarm etwas Neues – und für den Leser ein überraschend skurriles, spritziges Lesevergnügen.

Worum geht es in „Winterkartoffelknödel“?

Vom Streifendienst in München zum Dorfgendarm im Provinzkaff: Ein Karrieresprung ist das für Franz Eberhofer nicht. Der erfahrene Polizist ist aber eigentlich ganz zufrieden im idyllischen Niederkaltenkirchen, auch wenn er es mit seiner etwas verschrobenen Verwandtschaft nicht immer leicht hat. Doch so richtig stressig wird es erst, als vier Tote beim mißtrauisch gewordenen Franz den Verdacht aufkeimen lassen, es könnte sich hier um raffinierte Morde handeln. Immerhin wird eine ganze Familie innerhalb nur weniger Monate ausgelöscht – und Franz findet heraus, dass krumme Immobiliengeschäfte dabei wohl eine Rolle spielen. Im Laufe seiner Ermittlungen verschlägt es Eberhofer sogar zurück nach München, was nicht unbedingt leicht ist. Die eher unfreiwillige Versetzung ins dörfliche Niederbayern hat immerhin hier ihren Ursprung. Allerdings auch Franz‘ Gespür für Kriminalfälle, und so kommt bei der Rückkehr in die Provinz Fahrt in die Ermittlungen. Das passt freilich nicht jedem. Doch eins sollte man nicht tun: den Eberhofer Franz unterschätzen …

Ein Provinzkrimi: Lohnt sich das?

Eins vorweg: für echte Krimifans ist „Winterkartoffelknödel“ nicht wirklich geeignet. Der Kriminalfall selbst ist grob und recht spröde gezeichnet; er ist mitunter nur der Rahmen für eine Geschichte, die vor allem vom Lokalkolorit lebt. Franz erzählt die Geschichte in Rita Falks Roman selbst, und er hat eben seine eigene Art, dies zu tun. Sein Leben, sein Fall, sein Umfeld: Alles ist skurril, von schrägem Humor und voller kleiner Ereignisse, die den Leser in den Bann ziehen, obwohl oder gerade weil sie so alltäglich sind. Wir können nachvollziehen, wie sich Franz fühlt. Vielleicht haben Sie selbst auch so eine schrullige Oma in der Familie – oder einen Nachbarn, bei dem Sie sich vorstellen könnten, dass der ein Geheimnis hat …

Aus all diesen Gründen ist „Winterkartoffelknödel“ ein Buch, bei dem beinahe egal ist, wie es ausgeht – nicht, dass es nicht interessiert, ob Franz Eberhofer den Fall lösen kann, aber jeder Mord bringt nur noch mehr Details und scheinbare Nebensächlichkeiten ans Licht. Und genau die packen den Leser. Zugegeben muss man für das Buch ein gewisses Faible für das Urbayrische mitbringen, auch wenn uns Rita Falk mit allzu argem Dialekt verschont. Schwerer wiegt wohl, dass die Sprache einfach und ziemlich direkt ist, immerhin erzählt der Dorfpolizist selbst, und der nimmt kein Blatt vor den Mund. Doch macht dies das Buch nicht etwa schwer lesbar, im Gegenteil. Die 220 Seiten lesen sich in einem Rutsch. Spannend ist das nicht, aber das heißt nicht, dass sich der Leser dabei nicht gut unterhalten fühlt.
Warum die Geschichte nun „Winterkartoffelknödel“ heißt, wird übrigens erst ganz zum Schluss verraten, wobei Knödel auch sonst häufig eine Rolle spielen. Die passen nämlich so gut zum Schweinebraten. Aber das sollten Sie selber lesen …

Fazit

Ein kurioses Kleinod mit stark regionalem Einschlag; ein Roman, der sich weniger als Krimi denn als Milieustudie entpuppt und den Leser glänzend unterhält. Mitunter skurril und mit einem sehr eigenen Humor zeigt „Winterkartoffelknödel“ die bayrische Lebensart in einfacher, manchmal etwas derber Sprache. Nichts für Freunde spannender Kriminalfälle, aber eine Empfehlung für alle, die sich bei einer erfrischende Geschichte vom bayrischen Dorfleben unterhalten lassen möchten.

Amazon >>