Buchtipp: Türkisgrüner Winter von Carina Bartsch » Blattsinn.com

Buchtipp: Türkisgrüner Winter von Carina Bartsch

Berlin im nahen Winter und Emely und Elyas schicken sich an, eine neue Dimension ihrer komplizierten Beziehung zu betreten. Emely weiß nun, welche Gefühle sie für Elyas hat, aber nicht, wie sie damit umgehen soll. Sie schwankt zwischen Selbstschutz und Offenbarungswünschen und hat alle Hände voll zu tun, die Balance zu halten – im übertragenen wie im realen Sinne. Elyas wird enttarnt und damit scheint jede Chance vertan, dass sich findet, wer sich sucht.

Der kirschrote Sommer zuvor

Elyas war Emelys erste große Liebe, die leider ein unschönes Ende fand. Elyas hat Emely sehr verletzt und Emely für lange Jahre den Kontakt zu ihm abgebrochen. Das ändert sich, als die Schwester von Elyas, Alex, ebenfalls nach Berlin und in die Wohnung ihres Bruders zieht. Alex ist Emelys beste Freundin aus früher Kindheit und so kommt, dass Emely auf Elyas trifft: voller Abneigung, Misstrauen und Wut. Elyas aber findet Emely großartig und beginnt, sie zu umwerben. Dabei ist er sehr beharrlich, allen Abweisungen von Emely zum Trotz. Emely wird sich im Laufe der Monate ihrer ambivalenten Gefühle bewusst, aber noch fehlt ihr der Mut und das Selbstvertrauen, auf Elyas zuzugehen.

Unter anderen Vorzeichen

Elyas tut, was Emely sich so viele Monate von ihm zu wünschen schien: Er lässt sie in Ruhe.
Das verwirrt Emely und sehr zu ihrem eigenen Missvergnügen kann sie es nicht auf sich beruhen lassen.
Auf einer Halloween-Party nimmt sie ihr Herz und eine ordentliche Portion Wodka in beide Hände und versucht, Elyas zur Rede zu stellen. Trotz allerlei Ungeschicklichkeiten findet sie sich im Laufe des Abends schließlich doch in seinen Armen und einige Zärtlichkeiten später jäh wieder in die Wirklichkeit zurückgeholt: Alex entdeckt beide, ist empört, dass Emely sich auf Elyas eingelassen hat, streitet sich mit Emely und der Abend endet in einer Art Alkohol-Desaster. Aber der erste Schritt ist getan, Emely ist aus ihrem Schneckenhaus gekrochen und Elyas sieht es als Zeichen, dass vielleicht doch noch möglich ist, was er sich so sehr wünscht: eine liebevolle Beziehung zu Emely.

Dramen außerhalb der Romanze

Während sich Emely und Elyas nach wie vor umschleichen, vorsichtig und lässig der eine, misstrauisch und bisweilen verletzend die andere, und dazwischen fast so etwas wie Einverständnis aufkommt, drängen sich andere Ereignisse zwischen das Hin und Her der beiden: schöne wie Andy und Sophies Heirat oder das Glück der beiden frisch verliebten Alex und Sebastian und traurige, wie der Selbstmord einer Freundin oder der schwere Auto-Unfall von Emelys Eltern.
Und dann ist da noch Luca, der schüchterne, einfühlsame E-Mail-Freund, den Emely nun endlich kennenlernen will und soll. Doch es kommt anders und Emelys schlimmste Befürchtungen scheinen sich zu bewahrheiten.

Eiszeit

Emely fühlt sich erneut von Elyas verraten und flüchtet verletzt aus Berlin zurück in ihr Elternhaus, um jede Möglichkeit, zufällig irgendwo auf Elyas zu treffen, ausschließen zu können. Aber so schnell entflieht man dem eigenen Fühlen und Denken nicht – vor allem, wenn auch Elyas Eltern im selben Ort wohnen und Weihnachten vor der Tür steht. Erneut kommt es zu einer Begegnung und zu einem Streit – Emely ist weder geneigt, noch fähig, zu verzeihen oder zu verstehen und damit scheint das endgültige Ende der Beziehung besiegelt.
Doch beide können nicht wirklich voneinander lassen …

Carina Bartschs Fortsetzungsroman „Türkisgrüner Winter“ setzt nahezu nahtlos an „Kirschroter Sommer“ an, sowohl im Tonfall als auch in der Konstellation der Figuren.
Doch auch wenn man den ersten Teil der Geschichte von Emely und Elyas nicht gelesen hat, findet man sich schnell in dem überschaubaren Personal zurecht. Dieses Personal ist im Vergleich zum ersten Teil ergänzt und mit stärkerem Profil versehen und das tut dem Buch gut, denn auch in „Türkisgrüner Winter“ ist wenig Handlung – dafür aber flotte Dialoge und anschauliche Szenenbeschreibungen in einer modernen, nicht ganz bildfesten Sprache, erzählt aus der Perspektive von Emely. Obwohl sich der Grundton des Buches nach einigen Kapiteln ändert – den Umständen geschuldet folgerichtig – bleibt der Sprachstil doch erhalten.
Nicht so ganz nachvollziehen kann ich, warum die Figur der Emely, die so sehr durch Worte verletzt wurde, dass dies bis in ihr heutiges Leben hineinspielt, ebenso verletzend zu anderen sein kann. Doch zeichnet die Autorin ihre Protagonisten sehr sympathisch und so werden sicher nicht wenige Leser die etwas mehr als 500 Seiten am Stück gelesen haben.
Wie bereits der erste Teil ist „Türkisgrüner Winter“ eher ein Jugendbuch – mit allem, was dazugehört: Missverständnissen, Hindernissen und großen Gefühlen.

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